Datenschutz und Diskretion – was ist was?

„Darf ich nicht sagen, Datenschutz!“

Kennen Sie diese Aussage? Ich zu Genüge. Sie ist einerseits richtig und doch falsch. Aber warum?

Datenschutz wird im Verständnis des Wortes recht oft mit Diskretion vermengt. Dem stehe ich zwiegespalten gegenüber. Zwischen beiden Begriffen gibt es eine gewisse Schnittmenge, sodass ich zur Einhaltung von Diskretion den Datenschutz beachten muss, gleichzeitig im Datenschutz Diskretion wichtig ist. Aber die Begriffe sind NICHT kongruent!

Datenschutz bedeutet grob gefasst:

  • Rechtliche Gewährleistung der Vertraulichkeit personenbezogener Daten
  • Sicherstellung der Privatsphäre
  • Juristischer Schwerpunkt

Diskretion hingegen:

  • Informationssparsamkeit
  • Verschwiegenheit
  • Interdisziplinäre Anwendung

Diskretion ist für mich eine Tugend, Datenschutz eine Art Regelwerk. Daten mit Personenbezug sind durch den Datenschutz erfasst, müssen also mit Diskretion behandelt werden.

Interessant wird es aber, wenn es Daten ohne direkten Personenbezug gibt. Betriebsgeheimnisse sind so ein Fall. Wenn ich erfahre, dass der Durchschnittsverdienst in meiner 20 Mitarbeiter großen Abteilung für die gleiche Tätigkeit bei 4.000 € brutto liegt, ich aber nur 2.000 brutto erhalte, stiftet das gehörigen Unfrieden, obwohl Anonymisierung und Pseudonymisierung nach Maßgaben des Datenschutzes vorgenommen wurden. Ich begehe ich der Nennung des Durchschnittsverdienstes in der Abteilung keinen Datenschutzverstoß, fange mir dennoch eine Kündigung ein. Warum? Weil es mir im Regelfall arbeitsvertraglich untersagt war.

Datenschutz heißt also nicht Diskretion. Wenn ich erzähle, dass mein Nachbar seiner Frau heimlich fremdgeht, muss das auch nicht zwingend ein Datenschutzverstoß i. S. d. DSGVO und den untergeordneten Spezialgesetzen sein. Dennoch kann es in der Folge passieren, dass ich mir eine saftige Ohrfeige einfange.

Man kann darüber nachdenken, ob ich gemäß Art. 4 DSGVO Rückschlüsse auf persönliche und sachliche Verhältnisse des Nachbarn ermögliche, wenn ich vom Ehebruch berichte. Auf die persönlichen wohl sicherlich. Trotzdem wird es der Aufsichtsbehörde egal sein, da sich die DSGVO mit Pflichten für Unternehmen beschäftigt. Neuerdings im weiten Unternehmensbegriff, keinesfalls aber für Privatpersonen. Datenschutz ist B2B und B2C, niemals C2C oder C2B – Diskretion ist dies hingegen sehr wohl.

Mal angenommen, wir befinden uns in einem Sachverhalt außerhalb der gesetzlichen Regelungen zum Datenschutz und jemand plaudert meine intimsten Geheimnisse aus – kann man Indiskretion sanktionieren? Man könnte es vertraglich oder sozial, wie das Beispiel von der Gehalts-Tratschtante oder dem Nachbarschafts-Tageblatt zeigt, aber sieht das Gesetz so etwas vor?

Abseits von Whistleblowing durch Geheimnisträger ist das letztendlich kaum möglich, zumindest nicht bei Privatpersonen. Eine Kriminalisierung von Indiskretion als Straftatbestand natürlicher Personen muss man in Deutschland außerhalb der sogenannten Datenhehlerei lange suchen.

Dennoch – wenn Sie am Arbeitsplatz datenschutzkonform handeln wollen, dann geht dies nicht ohne Diskretion.

Was diese ominöse Datenhehlerei ist, werde ich in naher Zukunft hier näher beleuchten.

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