Seminare, Zertifikate, Fachkundenachweis – die Qual der Wahl beim DSB

Datenschutzbeauftragte werden aktuell gesucht – und wenn Sie sich selbstlos aufopfern, steht auch immer die Frage nach dem Qualifikationsnachweis.

Aktuell kann man bei vielen Fortbildungsanbietern eine Fachkundeprüfung ablegen und erhält dafür – wenn man denn besteht – ein Zertifikat. TÜV, DEKRA – das sind anerkannte Prüfungsorganisationen, die dafür bekannt sind, Zertifikate nicht zu verschenken und deren Siegel anerkannt ist. Auch die IHK bietet Seminare mit Prüfung an.

Diese Seminare dauern zwischen drei und fünf Tagen. Angesichts der stetig steigenden Bedeutung und Aufgaben eines Datenschutzbeauftragten geht das natürlich nur mit Druckbetankung. Die Kosten von ca. 1.500 Euro sind eigentlich angemessen, wenn man bedenkt, dass Unterlagen und Verpflegung dabei sind. Ich habe auf meinem Lehrgang vorzüglich gespeist und die Stullen gingen als Hasenbrote mit zurück nach Hause.

Grundsätzlich ist es möglich, Lehrgänge bzw. Fortbildung auch ohne Fachkundeprüfung zu besuchen. Man erhält dann vom Kursanbieter ein entsprechendes Teilnahmezertifikat.

Ich kann hiervon aus folgenden Gründen nur abraten.

 

 

  • Im Geschäftsverkehr werden Sie mit Fachkundenachweisen ernster genommen. Bei einer Prüfung durch die Aufsichtsbehörde läuft es ähnlich – da sollte ein gültiger Fachkundenachweis einer Prüforganisation auch nicht gerade hinterlich sein!
  • Wenn ich mich fünf Tage anstrenge, das Wissen zu erwerben, will ich für mich selbst auch eine Quittung über den Erfolg!
  • Wenn ich mich in einem anderen Unternehmen bewerbe, erhöht ein Fachkundenachweis meinen Marktwert.

Mit Blick auf den letzten Punkt – Sie wollen Karriere machen – denke ich, dass IHK am Vorteilhaftesten wäre.

Ich selbst habe eine DEKRA-Prüfung abgelegt, und ich kann bestätigen, dass man nichts hinterhergeworfen bekommt. Die Prüfung war fordernd, aber machbar, wenn man der Druckbetankung standgehalten hat. Da der Dozent sehr darauf geachtet hat, nicht in lange Monologe zu verfallen und das Ganze recht gut aufbereitet hatte, war das für mich glücklicherweise nicht das Problem.

Was sich ändern muss

Kleinstaaterei bei den Zertifikaten nützt uns aber nichts. Wenn sich IHK, TÜV und DEKRA auf einen einheitlichen Prüfungskatalog festlegen und dieser auch einheitlich benannt wird – z.B. Datenschutz-Fachkraft o.Ä. – sind Qualifikationen einheitlich und vergleichbar.

Auch ist es mittlerweile so, dass drei bis fünf Tage trotz Druckbetankung nur mit Mut zur Lücke funktionieren. Mit erfolgreich bestandener Fachkundeprüfung zeigt man lediglich, dass man ein gewisses Grundverständnis besitzt. ISO 9001 und 27001, Vertragsgestaltung, ja, auch Soft Skills, fehlen aus meiner Sicht komplett.

Man sollte definitiv ein standardisiertes zweiwöchiges Seminar veranschlagen. Ja, das kostet mehr Geld. Aber erst recht durch die DSGVO ist es gut investiert.

 

Warum Soft Skills entscheidend sind

Datenschutzbeauftragte dürfen keine Einzelgänger sein, die starr das rechtliche und technische Programm durchführen. Sie machen sich manchmal unbeliebt, wenn der Geburtstagskalender abgeschafft werden muss. Sie fordern bei der IT alles an und ein, was nicht bei drei im Server-Rack verschwunden ist. Sie müssen ihre Position gegenüber der Geschäftsleitung und Dienstleistern vertreten und nicht zuletzt kann es passieren, dass unzufriedene Kunden oder Dritte ihnen ans Leder wollen.

Wer soll denn nach herrschender Meinung DSB werden? Juristen und IT-Fachleute. Also die einen aalglatte, besserwisserische Theoretiker, die anderen introvertiere Fachidioten.

Glücklicherweise sind das nur Vorurteile, die sich nach meiner Erfahrung relativ selten bestätigen und zur notwendigen Vorqualifiakation habe ich mich bereits im letzten Datenschutz-Beitrag geäußert. Aber die Qualifikation zum DSB hat nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Anforderungen.

Und genau darum wird es im nächsten Beitrag gehen.

 

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